Nachhaltige Smartphones

Wer ein Smartphone kauft, bezahlt in der Regel nur einen Teil dessen, was es wirklich kostet. Den Rest bezahlen die Natur und andere Menschen, in der Regel aus anderen Ländern kommend, mit ihrer Gesundheit und ihrer Lebenssituation. Derzeit gibt es wenige Alternativen, aber es gibt welche. In diesem Artikel liegt der Schwerpunkt auf der Hardware.

Shiftphone

Die seit 2014 in Hessen ansässige Gesellschaft „Shift GmbH“ entwickelt das Shiftphone. Sie legen den Fokus auf Nachhaltigkeit u.a. durch Modularität der Geräte und faire Arbeitsbedingungen. Das heißt, dass jedes defekte Teil eines Shiftphones ersetzt werden kann und somit viele Jahre kein neues Gerät gekauft werden muss. Zudem werden die Smartphones zwar in China produziert, aber es wird auf gute Arbeitsbedingungen geachtet. Damit erreicht die Firma, dass weniger Ressourcen benötigt werden und diese auch noch verantwortungsvoll behandelt werden.
Einen Schritt weiter gehen sie mit der Idee, dass EIN Smartphone gekauft und dieses per Dockingstation oder Adapter zum Tablet oder Desktoprechner umgesteckt/umgebaut werden kann. Folgende Smartphones bietet Shift neben Tablets an:

NameBeschreibungPreis
SHIFT5meSmartphone mit 4,97 Zoll Bildschirm und 32 GB speicher (optional 64GB)
(m steht für voll-modular und e für economy)
444 Euro
SHIFT6mSmartphone mit 5,7 Zoll FullHD Bildschirm und 64 GB Speicher (optional 256)555 Euro

Beide Smartphones können mit ShiftOS (normales Android), ShiftOS light (ohne google-Dienste) oder lineageOS erworben, bzw. eingerichtet werden.

Fairphone 3

Das Fairphone wird in den Niederlanden entwickelt und achtet ebenfalls auf das Innenleben der Hardware (weniger giftige und/oder seltene Ressourcen), gute Arbeitsbedingungen und Modularität. Aus einem Forschungsinstitut heraus wurde 2013 eine Firma gegründet und seither wurden die ersten zwei Versionen des Smartphones weltweit verkauft. Die Besonderheit der nun erscheinenden dritten Version ist der Preis. Denn das Fairphone 2 lag bei ca. 500 Euro und war somit für viele Schüler_innen oder für Menschen, die nicht bereit sind, für ein Smartphone viel Geld auszugeben, unerreichbar. Die neue version wird nicht teurer, sondern sogar etwas günstiger, nämlich 450 Euro.

NameBeschreibungPreis
Fairphone 3Smartphone mit 5,65 Zoll Bildschirm und
64 GB Speicher (erweiterbar per SD)
450 EUR fairphone.com oder memo.de

Das Fairphone kommt standardmäßig mit Android daher. Für das Fairphone 2 gab es ebenfalls „LineageOS“ und zwei freiere Betriebssysteme auf Androidbasis: „Fairphone OS“ und „Fairphone open“. Auch SailfishOS war groß angekündigt, kam aber nie vorinstalliert raus. Doch inoffiziell hat sich das System durchaus installieren lassen. Ich denke, dass im Laufe der Zeit diese Heterogenität ebenfalls für das Fairphone 3 möglich gemacht wird.

Anmerkungen

Aus meiner Sicht macht es wenig Unterschied, ob ihr ein Shiftphone oder ein Fairphone kauft. Beide sind um Welten nachhaltiger als gängige Smartphones. Ihr könnt also nach Preis, Design und Sympathie für die Firma oder für die Homepage einkaufen.

Die Frage, ob die produzierenden Unternehmen so gesund sind, dass sie noch viele Jahre Ersatzteile liefern können, ist bei beiden Geräten wahrscheinlich zu bejahen. Auch das ist wichtig, denn was bringt Modularität gegen die Wegwerfkultur, wenn die Firma nach zwei Jahren Startup-Zeit insolvent geht? Auch wenn das „Fairphone“ den größeren Produzenten hat, gehe ich davon aus, dass „Shiftphone“ ebenfalls in fünf Jahren noch bestehen wird.

Es gibt natürlich auch noch Purism, die ebenfalls ein Smartphone herstellen. Hier geht es aber mehr um die Offenheit der Komponenten und des Betriebssystems, als um nachhaltige Herstellung der Hardware.

Alle verlinkten Produkte sind Direktlinks und keine Werbelinks. Ich bekomme also von keinem der Hersteller oder anderen Dritten Geld. Es ist meine Überzeugung, dass der medienkompetente Mensch auf die Auswirkungen seines Medienhandelns achtet. Deshalb möchte ich Firmen und Produkte, die das ermöglichen, unterstützen.

Offizielle Homepage von Shift: https://www.shiftphones.com/
Offizielle Homepage von Fairphone: https://www.fairphone.com/de/

7 Gedanken zu „Nachhaltige Smartphones

  1. Stefan

    Ergänzend sei noch eine weitere Option erwähnt: Ein gebrauchte Smartphone ist nachhaltiger als jedes Shift- oder Fairphone.

    Antworten
    1. Timotheus Beitragsautor

      Ja und nein. Ich empfehle jedem, der ein bestimmtes Gerät haben will, dieses gebraucht zu kaufen.

      Nur „nachhaltiger“, da bin ich anderer Meinung. Wenn jeder Mensch ein möglichst fair hergestelltes Handy kauft und dieses entweder bis zum Smartphone-Tod nutzt, oder eben ein Gebrauchtmarkt mit faireren Smartphones entsteht, dann sind wir auf einem anderen Ausgangsniveau, als wenn sich die eine Hälfte der Gesellschaft jährlich ein neues Kauft und auf alles sch… und die andere Hälfte dann nachdenkt und die Gebrauchten kauft.
      Blöd wäre nur – und das sehe ich genauso – wenn gebrauchte Geräte nicht mehr verkauft werden, weil alle, die nachdenken, sich faire Geräte kaufen.

      Bleibt noch die Frage, wie sehr ein guter Gebrauchtmarkt den unnötigen Neukauf von Geräten fördert. Wenn ich weiß, dass ich für mein Jahresgerät noch richtig Geld bekomme, dann handel ich anders, wie wenn es für unfaire Geräte keinen Gäbe.

      Viele Argumente, danke dir für dein Kommentar 🙂

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      1. Matthias

        Neue Dinge kaufen heisst Wachstum. Das kann schon per Definition nicht nachhaltiger sein. Ich kann den Gedanken verstehen, dass man nachhaltige oder faire Alternativen unterstützen will. Fakt ist aber, dass das kein konkurrierender Alternativmarkt ist (also die Produkte des konventionellen Marktes sukzessive ersetzt werden) sondern ein zusätzlicher Markt. Das heisst die nachhaltigen „Alternativen“ werden zusätzlich zu den konventionellen Produkten gekauft. Es gibt umfassende Studien, die zeigen, dass das für nahezu den gesamten Nachhaltigkeitssektor der Fall ist.

        Die einzige Lösung kann sein, dass man Dinge so lang wie nur irgend möglich benutzt und repariert und erst sehr spät dem Recycling zuführt. Stichwort ist hier Postwachstumsökonomie (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Niko_Paech).

        Da schlagen Fairphone und SHIFT den richtigen Weg ein, wobei beide nur auf dem Papier liefern, was sie versprechen. Fairphone 1 Nutzer sind bereits jetzt am Ende, weil es schon lang keine Updates mehr für ihre Geräte gibt. Wie das beim Fairphone 2 aussehen wird, bleibt abzuwarten. Was die Updates bei SHIFT angeht, finde ich keine Informationen, Frage mich aber, wie sie das überhaupt leisten können wollen.

        Bei SHIFT kommt noch dazu, dass sie leider, und völlig unnötig, extrem unehrlich – mindestens unglücklich – kommunizieren. Sie schrieben „frei von Konfliktmineralien“ ohne das belegen zu können, usw. Mittlerweile haben sie das Thema „faire Arbeitsbedingungen“ aus ihrer Kommunikation gestrichen, weil sie da eben nichts nachweisen oder garantieren können (ausser in Deutschland). Dazu empfehle ich auch folgenden Artikel: https://fairloetet.de/shift-wirkungsbericht-2019/

        Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich das alles weiter entwickelt.

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        1. Timotheus Beitragsautor

          Ohja, mal sehen, wohin es geht. Vielleicht bewegt ja Friday for Future auch mal etwas in diese Richtung. Auch, wenn sich dann viele Erwachsene und Jugendliche an die eigene Nase fassen müssten.

          Danke dir für dein ausführliches und gutes Kommentar.

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  2. Jonatan Hatakeyama Zeidler

    Auf dem Fairphone 2 läuft außerdem noch Ubuntu Touch. Das habe ich seit zwei Jahren im Einsatz und bin damit sehr glücklich.

    Antworten

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