Mastodon oder GNU Social

Gnu Social und Mastodon sind „verteilte Microblogging-Dienste“, also Twitter, nur ohne dass eine zentrale Firma alle Daten (und damit Geld und Macht) bekommt.

Für mich als potentieller Anwender erschließt sich nicht ganz, was die Vor- und Nachteile der einzelnen Dienste sind und was die verschiedenen Argumente sind, damit ich eine Entscheidung treffen kann, welchen ich nutze. Mal abgesehen von der Entscheidung, ob man so etwas überhaupt braucht.

Bisher habe ich gelesen, dass eine Zeit lang ein Standard OStatus zur Inter-Microblogging-Kommunikation genutzt wurde und somit über beide Dienste hinweg Beiträge veröffentlicht werden konnten. Das wurde von Seiten von Mastodon irgendwann geändert. Ich bin sicher, dass es hierfür einen guten Grund gibt, nur welchen?

Daher würde ich mich freuen, wenn wir in den Kommentaren Argumente für oder Gegen einen der Dienste Sammeln würden. Natürlich ist klar, dass keiner Perfekt ist und es geht auch nicht darum jemanden zu überzeugen, sondern einfach nur Argumente zur Meinungsbildung aufzulisten.

Mir persönlich ist der Gedanke der Aufklärung nach Kant wichtig. Wenn wir alle einen Dienst davon nutzen würden, was passiert dann. Also ist eines davon mehr an eine Firma gebunden, gibt es doch Datenrückflüsse an den Hersteller, sind beide technisch auf einer nutzbaren Ebene uns so weiter. Quelloffen (AGPL) und dezentral sind beide und erfüllen damit schon einmal zwei wichtige Bedingungen.

5 Gedanken zu „Mastodon oder GNU Social

  1. vinzv

    Kurz gesagt, hat man bei der Entwicklung von ActivityPub aus den Schwächen von OStatus gelernt. Mehr dazu liefert auch das hier: https://github.com/w3c/activitypub/issues/228#issuecomment-308979185

    OStatus: alt, überfrachtet, schwer zu implementieren
    ActivityPub (das „Mastodon-Gegenstück“ zu OStatus): modern, flexibel, einfach zu implementieren

    Auf deine Ausgangsfrage Mastodon vs. GNU Social bezogen: Ich habe vier Jahre lang mit gnusocial.de eine der größeren Instanzen im damaligen Fediverse betrieben und hatte somit GNU Social von der Zeit „vor Mastodon“ und „nach Mastodon“ recht gut im Blick. GNU Social war für die damalige Zeit gut und mangels Alternativen auch wichtig, aber im Grunde nur ein großer Wust aus zusammengeschusterten PHP-Scripten. Ich habe teilweise Tage gebraucht um irgendwelche Datenbank-Probleme durch Überlastung zu beheben. Deshalb war für mich dann auch irgendwann Schluss. Wäre ich mit dem heutigen Stand der Entwicklung in der Situation mich für eines der beiden entscheiden zu müssen – ganz klar Mastodon. Bedenke dabei auch, dass selbst die GNUSocial-Hauptentwickler ihre (de facto) Referenzinstanz quitter.se haben sterben lassen.

    Dazu kommt noch, dass ActivityPub durch seine gute Zugänglichkeit ein viel breiteres Spektrum an Diensten ermöglicht hat. Das auch nicht zuletzt, weil es eine viel größere Entwicklercommunity gibt. PeerTube (Youtube-Klon), FunkWhale (Musikplattform), Pixelfed (Instagram-like)… das wäre alles mit OStatus nicht machbar gewesen.

    Fazit:
    Für einen reinen Nutzer mögen diese Punkte auf den ersten Blick alle nicht so relevant sein. Sind sie aber doch, wenn die Nodes laufend Probleme haben, es keine vernünftigen Apps gibt und die Entwicklung mehr Bestandserhaltung denn echter Weiterentwicklung ist.

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  2. Timotheus Beitragsautor

    Ich merke, dass im Grunde das Wort „gnu“ bei mir ganz viele Konnotationen beinhaltet. Also viel positives auf der Ebene von Lizenz und Ideologie, aber das mit der Anhäufung von Scripten kann ich mir gut vorstellen und die technische Seite ist eben auch wichtig.
    Danke euch

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