Die Freiheit von Technik geht nur so weit, bis sie die Freiheit eines Einzelnen einschränkt. Oder nicht?

Ich lese gerade den Aktionsplan der Bundesregierung für unbemannte Luftfahrt. Also Drohnen, die verschiedene Bereiche abdecken: „Logistik, der Landwirtschaft, für medizinische Transporte, im Umwelt- und Naturschutz oder künftig gar als „Flugtaxis“

Doch was macht das und viele andere Techniken, die von vielen genutzt werden, mit uns? Ein Potpourri der Gedankenanreger.

Das hört sich ja alles sehr nett an, nur mir stellt sich die Frage, ob wir bei der ganzen Digitalisierung und Ver-Technisierung die ganz eigene Freiheit nicht außer acht lassen. Wie viele Menschen (oder sind wir das alle) werden sich gestärt fühlen durch herumfliegende Drohnen, bei denen man nie weiß, ob sie auch filmen, wenn ich gerade im Garten liege. Wie viele Menschen werden durch Krach gestärt – auch wenn die einzelne Drohne nicht viel produziert.

Durch Corona wurde uns doch gezeigt, wie schön das Leben ist, wenn einfach etwas auf die Bremse getreten wird. Keine Flugzeuge am Himmel, weniger Autos auf den Straßen usw.

Leider hat die Freiheit zur Ungestörtheit eine kleinere Lobby, als die Drohnenhersteller, Autohersteller und auch das gehört dazu die Mobilfunklobby (Auf der oben genannten Seite gibt es auf die Schnelle nichts zu 5G – was sagt uns das?).

Ich möchte die Freiheit haben W-Lan zu nutzen oder nicht. Wenn ich mich dagegen entscheide, gibt es vielleicht einen Nachbarn, dessen Funknetz zu mir herüber reicht, aber sehr schwach. Mobilfunkfirmen stellen Türme auf und jeder ist davon betroffen (unabhängig der Diskussion, welche Auswirkungen das hat).

Dürfen uns große Firmen vorschreiben, wie wir in Zukunft bezahlen, nur weil „ja alle anderen mit machen“? Damit meine ich Apple Pay und Vergleichbares. Dürfen Banken Bargeld abschaffen? Darf ich auch in 10 Jahren noch Freie und von Monopolisten unabhängige Software nutzen, oder sind die gesellschaftlichen Einschränkungen dann für mich und meine Kinder zu groß?

Ist es heute überhaupt noch möglich, anonym zu reisen? Wenn ich mit Bargeld mein Zugticket kaufe, dann gibt es am Bahnhof Gesichtserkennung. Wenn ich Auto fahre, gibt es Mautbrücken oder ich habe das Pech von einem Passanten fotografiert zu werden, der es auf seine Cloud mit Gesichtserkennung legt.

Also, lest diesen Artikel als einen Appell, dass wir die Unfreiheit durch Technik nicht noch größer werden lassen. Technik ist faszinierend, das ich kein Appell Technik abzulehnen, aber unsere eigene Freiheit mindestens gleichwertig mit dem Technikeinsatz von anderen zu sehen. Müssten wir nicht im Grundgesetz verankern, dass die Freiheit des Menschen ohne Technik zu leben auch schützenswert ist? Und müssten wir in den Schulen nicht viel mehr Kant unterrichten, dass die „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ Beziehungsweise die Diskussion in die Öffentlichkeit bringen, wie viel die Freiheit von vielen (also, wenn Einigkeit darin besteht, dass wir Drohnen nutzen, Auto fahren oder mobil Surfen) die Freiheit des einzelnen einschränken darf!

Es dürfte jedem klar sein, dass es hier einen Schieberegler braucht. Auf der einen Seite steht „Jeder darf nutzen, was er will“, auf der anderen, dass jeder Einzelne überhaupt nicht eingeschränkt werden darf. Natürlich führt Zweiteres zu Stillstand. Wenn mein Nachbar nicht möchte, dass ich Auto fahre, dann darf das natürlich auch keine Auswirkung auf mich haben. Aber, wenn jeden Morgen 100 Drohnen über mein Haus fliegen, um Pakete auszuliefern, muss ich das dann ertragen? Also wo stellen wir den Schieberegler für unsere Gesellschaft hin? Sind die Grenzwerte für Lärm, saubere Luft, Mobilfunk usw. ausreichend? Und müssen wir immer an Grenzen heran, oder dürfen wir als Gesellschaft auch sagen, dass wir bereit auf einen kleinen Verzicht sind, damit wir großen Nutzen bekommen?

Bildquellen:
Kant: Von Gottlieb Doebler – http://www.philosovieth.de/kant-bilder/bilddaten.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32847847
Drohne: Von Ralf Roletschek – Eigenes Werk, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77545951

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