Debian 10 – installieren und einrichten

Debian ist ein gemeinschaftlich entwickeltes freies Betriebssystem auf Linuxbasis. Für mich der entscheidende Punkt ist, dass es unabhängig von den großen Monopolisten (Microsoft mit Windows und Apple mit iOS) ist. Damit ermöglicht es eine mündige Mediennutzung im Sinne der informationellen Selbstbestimmung und der sozialen Dreigliederung. Natürlich kommt dazu, dass Debian einfach tolle Funktionen hat.
Davor nutzte ich auf meinem Lenovo Thinkpad X230 Ubuntu 18.04 und kurzzeitig 19.04. Positiv an Ubuntu war, dass die Einrichtung auf die Installation von Programmen und deren Einstellung beschränkt war.
Doch auch Debian war nach einem Abend fertig eingerichtet. Denn das erklärte Ziel ist es, so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu verändern. Das spart Arbeit, passt zu meinem Temperament, meinen zeitlichen Möglichkeiten und meinen Fähigkeiten.
Folgende Erfahrungen durfte ich machen und diese Lösungen finden.

Die Installation

Debian ist in wenigen Schritten installiert: Net-Install-Version beim Herausgeber herunterladen, auf einen USB Stick schreiben, einlegen und „grafikal Installer“ auswählen (die Live USB-Versionen liefen bei mir nicht). Grafisch ist das natürlich weit weg von dem, was man von Live-Versionen gewohnt ist, aber immerhin gibt es eine Maus, falls das jemandem wichtig ist.
Ich habe mich dazu entschieden, die Distribution und das Home-Verzeichnis auf eine Partition zu packen, alles mit LVM zu verschlüsseln und Gnome als grafische Oberfläche zu nutzen. Alles verlief soweit problemlos.

Die Einrichtung

Um Debian einzurichten (und natürlich nicht nur dafür) ist es am einfachsten, wenn man sich als „Root“ im Terminal anmeldet und hier die Installationen vornimmt. Dafür gibt man folgendes im Terminal ein:

su

Zuerst aktivierte ich nonfree- (Nicht DFSG-kompatible Software) und contrib- (DFSG-kompatible Software mit unfreien Abhängigkeiten) Paketquellen und aktualisierte sie lokal, da ich noch einen W-Lan-Treiber benötigte. Welcher das ist, das wird einem während der Installation bekannt gegeben. Aktualisieren der Paketquellen und die Installation ging mit apt:

apt update
apt install firmware-iwlwifi

Nun wünschte ich mir ein anderes, nicht so bulliges Aussehen, also arc-Theme. Mein Bildschirm hat in der Höhe 768 Pixel, da wirken die hellen Leisten sehr mächtig. Ich bekam noch den Tipp im Debianforum im Programm „Optimierungen“ (Tweak-Tool) die Skalierung runter und die Schriftgröße hoch zu stellen, was ich aber aus reinem Bauchgefühl heraus gelassen habe, auch wenn das durchaus ein paar Pixel eingespart hätte. In „Optimierungen“ lässt sich das neue Theme aktivieren.
Dann brauchte ich noch die Möglichkeit, per pptp einen VPN zu nutzen (damit mein Provider, die Bahn und Hotels, in denen ich mich aufhalte, nicht alles mitlesen können, was ich so mache). Da ich ein Notebook nutze, versuchte ich, mithilfe von TLP den Akku effizienter zu nutzen und somit die Akkulaufzeit zu erhöhen. Außerdem wollte ich „Nextcloud“ (selbst gehostete Wolke), „VLC“ (Videoplayer) und „GIMP“ (Bildbearbeitung) installieren. Den E-Mail Client „Evolution“ ersetzte ich durch „Thunderbird“.

apt install network-manager-pptp
apt install arc-theme
apt install tlp

Es gibt auch einen „network-manager-pptp-gnome“. Was der Unterschied zum „network-manager-pptp“ ist, oder welcher zu empfehlen ist, weiß ich nicht. Jemand der Leser vielleicht?
Bei „tlp“ kann man mit „tlp-stat“ (mit „sudo“ oder „su“) schauen, ob es läuft. Unter „TLP_Enable“ muss der Wert 1 stehen.
Die weiteren Programme habe ich grafisch mithilfe des Programmes „Software“ installiert/deinstalliert.

Benutzer der Gruppe sudo hinzufügen

Standardmäßig ist bei Debian, anders als bei Ubuntu, der sudo-Befehl bei dem normalen Nutzer nicht eingerichtet. Normalerweise ist der Root-Benutzer „su“, den ich oben verwendet habe, auch total ausreichend. Allerdings kam ich bei der Installation von Veracrypt (s.u.) nur mit „sudo“ weiter.
Also öffnete ich mit „nano“ (Editor im Terminal) die entsprechende Datei:

nano /etc/sudoers

Und fügen

user ALL=(ALL) ALL 

ein. Die Variable „user“ wird dabei durch den Benutzernamen ersetzt. Mit Strg+o wird gespeichert, mit Strg+x wird das Programm geschlossen.
Ob man sudo nutzen sollte, ohne es weiter zu konfigurieren, darüber gibt es im Debianforum heiße Diskussionen.

Veracrypt

Veracrypt ist der Nachfolger von Truecrypt und funktioniert auf allen Plattformen. Somit lassen sich leicht verschlüsselte Container oder sogar verschlüsselte Partitionen anlegen. Es hat sich im Schulumfeld sehr weit verbreitet und ist in der Linuxmusterlösung (linuxmuster.net) vorinstalliert. Ich persönlich mag die Containerlösung nicht, da ich im Vorhinein die Göße angebe unabhängig von der Größe der Inhalte. Aber natürlich beuge ich mich der Masse – in diesem Punkt.
Für Ubuntu gibt es ein PPA (Personal Package Archive), für Debian gibt es diese Möglichkeit leider nicht. Also habe ich das Archiv direkt von der Herstellerseite heruntergeladen und entpackt. Es gibt zwei Installer für 32- und 64-Bit Systeme, jeweils für das Programm im Terminal und mit grafischer Oberfläche. An dieser Stelle kam ich nicht weiter und musste, wie oben beschrieben, meinen Benutzer der sudo-Gruppe hinzufügen.
Man muss nun nur noch den Installer im Terminal aufrufen nachdem man per „cd“ in den richtigen Ordner gegangen ist. Es öffnet sich ein Installationsprogramm im Stil von vor 15 Jahren, aber man kann sich von diesem Punkt an sehr leicht sinnvoll durchklicken und es installiert. Damit das richtige Verzeichnis genutzt wird, muss man vor den Namen ein ./ setzen:

./veracrypt-1.23-setup-gui-x64 

Erweiterungen

Gnome bietet die Möglichkeit, sein System mit Erweiterungen anzupassen. Im Browser (Firefox ESR) wird schon eine Verknüpfung angezeigt, denn diese werden über https://extensions.gnome.org/ installiert, was sich für mich wie eine nette Verknüpfung von Browser und System anfühlt. Zu Beginn musste ich noch ein Paket installieren, das funktioniert per „apt“ und die Homepage sagt einem, welches man braucht. Folgende Erweiterungen nutze ich nun:

  • Dash to dock – Hiermit wird die Starterleiste (hat die einen festgelegten deutschen Namen?) konfiguriert. Ich habe sie dauerhaft angezeigt auf der linken Seite und zwar von oben bis unten, also wie bei Ubuntu. Sie verändert die Farbe in Abhängigkeit von den geöffneten Programmen und es lässt sich die Reaktionen der Programme auf Links-, Rechts-, Mittelklick und auf Mausrad-Drehen einstellen.
  • No topleft hot corner – Ich hab die Knöpfe (schließen, minimieren und maximieren) nach links gelegt und komme dadurch häufig aus Versehen in die linke obere Ecke. Damit nicht jedes Mal die Aktivitäten angezeigt werden, kann man das Reagieren auf die Mausposition mit dieser Erweiterung deaktivieren.
  • Panel OSD – Es lässt sich einstellen, wo Meldungen von Gnome erscheinen sollen. Das Betrifft Meldungen wie einen schwachen Akku, aber nicht die Bidlschirmhelligkeit und die Lautstärke. Der Standard ist, dass sie oben in der Mitte unter der Uhr erscheinen.
  • Desktop Icons – Sorgt dafür, dass der Inhalt des Schreibtisch-Ordners auf dem Desktop angezeigt wird – wie früher.

Einstellungen

Natürlich ist zu empfehlen, sich zu Beginn einmal durch die Einstellungen und die Optimierungen (Tweak-Tool) zu klicken, da das Menü total neu gestaltet wurde. Nur so passt man das System an sich an und lernt auch die grafischen Möglichkeiten der Konfiguration kennen. Da es sich um freie Software handelt, lässt sich per Terminal oder einem Script natürlich fast alles ändern.

Einstellungen von Debian

Weitere kleine Nettigkeiten

  • Als Suchmaschine wird im Browser das europäische/französische Qwant genutzt. Sollten die Ergebnisse mal nicht passen, dann dient Startpage mit google-Ergebnissen als Ersatz.
  • Die Einbindung von Own- oder Nextcloud ist Gnome einfach super. Beispielsweise sind die Kalendereinträge im Programm Kalender und oben, wenn man auf die Uhr klickt, sichtbar.

Was es noch zu lösen gilt

  1. „Nextcloud“ und „Veracrypt“ bekommen kein Icon/Symbol oben rechts. Also „Nextcloud“ läuft zwar, aber es gibt kein Icon, welches mir zeigt, was das Programm gerade macht und ich kann es darüber auch nicht öffnen. Das sind wohl noch eher Probleme, die es auf Seiten von Gnome oder Debian zu lösen gilt und die weniger etwas mit den Programmen selbst zu tun haben.
  2. Außerdem frage ich mich, ob „Firefox ESR“ für einen Privatrechner wirklich die richtige Wahl ist.
  3. Beim Dateimanager funktioniert drag and drop zum Verschieben von Dateien nicht. Und das Verschieben und Einfügen funktioniert nur dann zuverlässig, wenn man lediglich eine einzige Datei verschiebt. Hat noch jemand das Problem?
    Gelöst: Anstatt Wayland habe ich nun Xorg eingestellt. Und siehe da, es geht.
  4. Irgendwie läuft das System auf meinem Thinkpad X230 zäh. Mit externem Monitor ruckelt es schon fast, also das Verschieben vom Dateimanager beispielsweise. Ein anderes Beispiel ist der Browser Firefox. Er läd den Fensterrahmen und die Hälfte des Browserfenster, die andere Hälfte ist Schwarz. Erst nach ca. einer sehr langen Sekunde kommt das ganze Fenster.
    Gelöst: Ebenfalls Xorg, anstatt Wayland und es läuft viel flüssiger. Der Browser läd jetzt wieder, wie gewohnt. (Im Anmeldebildschirm auf das Zahnrad klicken und Gnome mit Xorg auswählen.)

Ergebnis und Fazit

Das Ergebnis ist ein schönes Gnome und ein gut laufendes Debian.

Es ist vollbracht: Debian mit Gnome

Debian 10 läuft wirklich gut. Fast zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass ich dieses Betriebssystem wirklich längere Zeit nutzen werde. Bisher war das anders. Ich habe schon häufig Debian installiert, dann kamen Probleme oder es startete einfach irgendwann nicht mehr (sehr komisch), sodass ich dann zu Gunsten von Beruf und Familie dankbar zu Ubuntu zurückgekehrt bin. Aber vielleicht bleibe ich ja wirklich diesmal Debian treu.

Quellen

Offizielle Internetpräsenz: https://www.debian.org/
Wikipedia über Debian: https://de.wikipedia.org/wiki/Debian
Wikipedia über Soziale Dreigliederung: https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Dreigliederung
Wikipedia über Ubuntu: https://de.wikipedia.org/wiki/Ubuntu
Wikipedia über Veracrypt: https://de.wikipedia.org/wiki/VeraCrypt
Wikipedia über sudo: https://de.wikipedia.org/wiki/Sudo
Thinkpad-Wiki über TLP: https://thinkwiki.de/TLP_Einstellungen#Parameter
Wikipedia über Gnome: https://de.wikipedia.org/wiki/Gnome
Debian Richtlinien für Freie Software DFSG: https://de.wikipedia.org/wiki/Debian_Free_Software_Guidelines
Wikipedia über Freie Software: https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Software
Wikipedia über Qwant: https://de.wikipedia.org/wiki/Qwant

3 Gedanken zu „Debian 10 – installieren und einrichten

    1. Timotheus Beitragsautor

      Hallo Thun,
      im debianforum wird da diskutiert https://debianforum.de/forum/viewtopic.php?f=15&t=174217&hilit=sudo+design

      So ähnlich auch über Erweiterungen https://debianforum.de/forum/viewtopic.php?f=12&t=174186
      Wenn ich es richtig zusammenfasse gibt es (1) die Frage OB Erweiterungen verwendet werden und (2) falls ja, WELCHE. Denn imho ist der Tenor, dass von https://extensions.gnome.org/ durchaus Erweiterungen genutzt werden können, aber vor der Nutzung von Erweiterungen aus unabhängigen Drittquellen sollte noch gewissenhafter geprüft werden, ob man dem Herausgeber der Erweiterung vertraut und was die Erweiterung und der Herausgeber kann und will. Denn Erweiterungen können Daten erheben und sogar Einfluss auf das System ausüben.

      Antworten
  1. Wolf Jäger

    Mir fehlt in Debian 10 Docky- Ich habe erstmal wieder zurückgerüstet auf Debian 9.8 weil ich nicht wusste, das man XORG wählen kann. Ich besitze eine NVIDIA Graka- und Wayland macht da nur Mist: Wenn man ein anderes Programm öffnet (dahin wechselt) habe ich für eine halbe Sekunde „komische“ Bilder. Interessant ist auch die Temperatur-Überwachung (https://extensions.gnome.org/extension/1180/freon/) Meine GTX280 hat unter 9.8 Xorg zw. 46 und 49 Grad, unter Wayland/ Debian10 zw 56 und 59 Grad…

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