Mindestalter im Netz

Ab welchem Alter dürfen Kinder einen Account in Apps und auf Plattformen haben?

Genauso wichtig, wie zu wissen, ab welchem Alter man ins Kino oder Roller fahren darf, ist es zu wissen, welche App/Plattform ab welchem Alter genutzt werden darf. Diese Wichtigkeit wird in unzähligen Vorträgen hochgehalten, nur wird oft nicht dazu gesagt, welches das konkrete Mindestalter für Apps oder Plattformen ist.  Dieser Artikel soll helfen, oben genannte Informationslücke zu schließen, und Eltern zu unterstützen.

Informationsquellen

Die relevanten Informationen finden sich

  1. in der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) Art. 8 (Gültig ab 25. Mai 2018) und
  2. in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) der jeweiligen Firmen.

(Zu 1.) Artikel 8 der DSGVO „Bedingungen für die Einwilligung eines Kindes in Bezug auf Dienste der Informationsgesellschaft“ gibt ein Mindestalter von 16 Jahren für alle Apps und Plattformen, welche personenbezogene Daten verarbeiten, an.

Gilt Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe a bei einem Angebot von Diensten der Informationsgesellschaft, das einem Kind direkt gemacht wird, so ist die Verarbeitung der personenbezogenen Daten des Kindes rechtmäßig, wenn das Kind das sechzehnte Lebensjahr vollendet hat. (Art. 8 DSGVO)

Mit elterlichem Einverständnis kann dieses Mindestalter, abhängig vom jeweiligen EU Land, auf bis zu 13 Jahren gesenkt werden – in Deutschland liegt es bei 13 Jahren.

Hat das Kind noch nicht das sechzehnte Lebensjahr vollendet, so ist diese Verarbeitung nur rechtmäßig, sofern und soweit diese Einwilligung durch den Träger der elterlichen Verantwortung für das Kind oder mit dessen Zustimmung erteilt wird.
Die Mitgliedstaaten können durch Rechtsvorschriften zu diesen Zwecken eine niedrigere Altersgrenze vorsehen, die jedoch nicht unter dem vollendeten dreizehnten Lebensjahr liegen darf. (Art. 8 DSGVO)

Der dazugehörige Erwägungsgrund ist der Besondere Schutz der Daten von Kindern. An dieser Stelle empfehle ich, den Gebrauch des elterlichen Einverständnisses gut zu überlegen und früh genug mit anderen Müttern, Lehrern usw. ins Gespräch zu gehen, damit ein Gruppendruck erst gar nicht aufkommt. Gerade das Argument „Die anderen nutzen das aber auch alle!“, führt häufig genug dazu, dass in die eigene Erziehungsautonomie eingegriffen wird.

(Zu 2.) Die AGBs der Firmen, welche hinter den angebotenen Diensten, Apps oder Plattformen stehen, geben in den meisten Fällen ebenfalls Auskunft über ein Mindestalter bei der Account-Erstellung. Dazu muss die AGB gelesen werden und nicht selten kommt es vor, dass der Leser auf eine andere Seite, wie den Nutzungsbedingungen, weitergeleitet wird, um das Alter zu sehen. Damit ist das Lesen der AGBs sehr aufwändig, aber sollte desshalb nicht gemieden werden.

16 und 13 Jahre gelten laut der DSGVO als Mindestalter ohne und mit elterlichem Einverständnis. Gibt eine Firma in ihren AGBs ein niedrigeres Mindestalter an, so ist dieses nicht gesetzeskonform und somit irrelevant. Gibt eine Firma in ihren AGBs ein höheres Mindestalter an, so ist das ihr gutes Recht und dieses behält volle Gültigkeit.

Konkrete Altersangaben

Folgende Tabelle ist das Ergebnis einer eigenen Recherche im Austausch mit Medienpädagogen und Datenschutzbeauftragen. Sie stellt eine Momentaufnahme dar und alle Angaben sind ohne Gewähr.
An dieser Stelle bitte ich um Korrektur oder Ergänzung, da es schön wäre, wenn diese Tabelle stets aktuell wäre und Eltern einen Anhaltspunkt geben kann.

Informationen über die USK des Spiels und dessen Versionen auf golem

App/Plattform Mindestalter ohne elterlichem Einverständnis
Mindestalter mit
elterlichem Einverständnis
Das gesetzliche Mindestalter liegt bei 16, auch wenn in den AGBs ein niedrigeres  angegeben wird. Das gesetzliche Mindestalter liegt bei 13, auch wenn in den AGBs ein niedrigeres  angegeben wird.
Es steht natürlich in beiden Fällen jeder Firma frei in Ihren AGBs ein höheres Mindestalter für ihre Produkte anzugeben. Dieses ist gesetzeskonform und muss eingehalten werden. Das in Deutschland revante Mindestalter ist fett gedruckt.
AGBs / DSGVO AGBs / DSGVO
Facebook 13 / 16
13 / 13
Fortnite Battle Royale 1 16 / 16 ? / 13
Instagram 13 / 16
13 / 13
MovieStarPlanet 2 – / 16 – / 13
Musical.ly 13 / 16
13 / 13
Spotify 18 / 16 14 / 13
Whatsapp 16 / 16 16 / 13
Youtube 16 / 16 16 / 13

Stand: 23. August 2018

Alle Angaben ohne Gewähr.

1Fortnite ist aufgrund seiner Aktualität und Verbreitung bei den Kindern und Jugendlichen hier aufgeführt. Da es sich um ein Shoot ’em up – Spiel im Koop-Modus handelt, spielt ebenfalls die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) eine Rolle. Diese unterscheidet sich in ihrer Bewertung je nach Version des Spiels. So wurde die erste Version Rette die Welt mit 12 Jahren bewertet und die zweite Version Battle Royale – nach IARC-System (International Age Rating Coalition) – mit 16. Allerdings scheint es hier nicht ganz eindeutig zu sein.
Weitere Infos gibt es in diesem golem.de Artikel.

2 Für MovieStarPlanet empfielt der Anbieter ein Alter von 8-15 Jahren und gibt kein ausschließendes Mindestalter an. Allerdings ist dies mit unseren Gesetzen nicht vereinbar. Die Angaben für MovieStarPlanet sind somit ausschließlich an der DSGVO orientiert.

Weitere Praxistipps

Von Medienpädagogen wurde ich gebeten, darauf hinzuweisen, dass das Mindestalter eine rechtliche Grenze darstellt, ab wann eine App/Plattform mit Account genutzt werden darf. Es ist keine erzieherische oder pädagogische Empfehlung!

Es ist grundsätzlich nicht zu empfehlen, Kinder den eigenen Account mitnutzen zu lassen!
Zum einen können Kinder, abhängig vom Funktionsumfang der Plattform oder App, im Namen der Eltern agieren, beispielsweise Kommentare hinterlassen. Zum anderen können Kinder, beispielsweise auf Youtube, nicht altersgemäße Inhalte konsumieren.

Natürlich kann man beispielsweise Youtube-Videos auch ohne Account, also ohne die AGBs zu akzeptieren, schauen, das berührt die aufgeführten Angaben nicht. Dann kann man nämlich auch keine altersbeschränkten Inhalte sehen und keine Kommentare hinterlassen.

 

Im dazugehörigen Blogpost findet die Diskussion statt:
Mindestalter für Apps und Plattformen