Messenger

Wie wähle ich einen Messanger aus? Was sind die Kriterien und welcher passt zu mir?

Einleitung

Die folgenden Worte dienen als Anregungen, wie eine mündige und zukunftsträchtige Technik zum sozialen Austausch durch Messenger und wie eine Antwortmöglichkeit auf die gestellte Frage aussehen kann. Vor dem Lesen bitte Über Medienfragen lesen.

Aspekte

Welche Aspekte sind bei der Bewertung eines Messengers überhaupt zu berücksichtigen?

Da gibt es die offensichtlichen und greifbaren Aspekte: Preis, Funktionsumfang, Verbreitung und Zugangsschwelle (Einfachheit, Unterstützung unterschiedlicher Plattformen, wie Android, Windows, Apple usw.)

Daneben gibt es weitere Aspekte, die nicht so offensichtlich sind. Im Folgenden werden diese Faktoren aufgezeigt und die dafür notwendigen Grundbegriffe erklärt.

Server vs Client
Es gibt im Internet Server (Computer, die rund um die Uhr laufen) und Clients (dein Smartphone oder Computer). Bei Messengern benötigt man Server, um die Nachrichten ggf. zu speichern und zu ermöglichen, dass du überhaupt mit jemandem Kontakt aufnehmen kannst, auch dann, wenn dein Gesprächspartner seinen Computer aus hat.
Wikipedia: Server-Client-Modell

Zentralität vs Dezentralität
Zentral bedeutet, dass alle Nachrichten über die Server einer Firma gesendet werden.  Dabei wird die Nachricht selbst, dein Telefonbuch und zusätzlich die Metadaten gespeichert. Letzteres beinhaltet beispielsweise die Zeit, den Ort, und die IP Adresse des Smartphones während des Schreibens. Es wird also auch dann vieles gespeichert, wenn die Nachrichten selbst verschlüsselt sind.
Dezentral bedeutet, dass es viele Server gibt und alle an einem Netzwerk teilhaben können (vergleichbar mit der Struktur der E-Mail; der eine hat eine Mailadresse bei gmx, der andere bei google und wieder ein anderer hat einen eigenen Server, aber alle können am System der E-Mail mitmachen. Daszu kann jeder den Client verwenden, den er will – Outlook, Thunderbird oder die Homepage von gmx). Hierzu muss es jedoch einen Standard geben, der die Grundlage des Systems bildet.

Freie Software / Open Source
Das bedeutet, dass der Quellcode, den der Entwickler geschrieben hat, öffentlich eingesehen und von allen Menschen auf der Welt auf Fehler und Betrügereien hin überprüft werden kann. Das bedeutet nicht, dass jemand in dein Programm oder deine App schauen kann. Folglich ist es sehr hilfreich, wenn die Serversoftware frei ist, damit jeder diese nutzen kann.
Für die Bewertung eines Messengers ist dieser Faktor darum wichtig, da ein geschlossener Client nicht überprüft werden kann. Das heißt, wenn ein Messenger sagt, dass er verschlüsselt und es keiner nachprüfen kann, dann weißt du nie, ob nicht im Hintergrund heimlich alle Sicherheitsschlüssel an die Firma geschickt werden und diese die Verschlüsselung aufhebt.
Ein weiterer Aspekt der Nutzung von Freier Software ist, dass man sie somit fördert. Wenn viele Menschen freie Software nutzen, entsteht mehr Interesse und finden sich mehr aktive Entwickler. Somit kann durch einfaches Nutzen etwas unabhängiges gefördert werden und globale Firmen haben weniger Macht durch weniger Nutzer.
Wikipedia: FOSS

Datenschutz, Datensicherheit und Urheberrecht
Messenger habe viele Möglichkeiten gegen Deutsches und Europäisches Datenschutzrecht zu verstoßen. Oftmals ist es – je nachdem, wie wichtig einem Privatsphäre ist – für die Bewertung eines Messengers wichtig über den rechtlichen Rahmen hinaus zu schauen, wie ernst ein Dienst den Datenschutz nimmt. Der Begriff beschreibt die legale Speicherung und Auswertung der gesammelten Daten.
Die Datensicherheit besagt, wie gut die erhobenen Daten technisch gesichert werden. Dabei fällt oft das Worttrio Ende-zu-Ende Verschlüsselung. Das bedeutet, dass der Sender die Nachricht verschlüsselt und erst der Empfänger diese wieder entschlüsselt. Alle Stationen dazwischen können die Nachricht nicht lesen.
Das Urheberrecht betrachtet den Umgang mit Daten. Beispielsweise gibt es AGBs in denen steht, dass das Nutzungsrecht verschickter (Profil-) Bilder an die Organisation, die hinter dem Messenger steht, geht.
Für die Bewertung eines Messengers ist es wichtig zu wissen, welche Daten öffentlich im Internet abgreifbar sind (Stichwort Verschlüsselung) welche die Organisation bekommt und was diese damit machen darf.
Wikipedia: Datensicherheit Datenschutz Urheberrecht

Die Organisation
Natürlich spielt es auch eine Rolle, wer die Organisation hinter einem Messenger ist. Welche Ziele verfolg sie? Wie geht sie mit Datenschutz und Urheberrecht um?
Je nachdem, wo die Organisation ansässig ist, gilt auch unterschiedliches Datenschutzrecht. So ist es für europäische Bürger einfacher zu ihrem Datenschutzrecht zu kommen, wenn beide Parteien (Nutzer und Organisation) in Europa sind.
Schön wäre, wenn sich jeder bewusst ist, welche Organisation er unterstützen möchte und sein Handeln danach richtet.

Account und Telefonbuch
Der Account kann entweder an eure Handynummer gebunden sein oder ganz frei davon. Gerade, wenn der Account an die Handynummer gebunden ist, laden viele Messenger euer Telefonbuch auf den Server der Firma, um zu schauen, wer diesen Messenger noch verwendet und euch diese Kontakte zu zeigen.

Fazit und Empfehlung

Die Welt der Messenger ist groß. Es gibt welche, die „fast jeder“ nutzt und die tolle Funktionen haben. Doch gerade für mündige Nutzer gibt es noch mehr Aspekte, als die reine Anwendung. Doch hier fängt das Problem an. Welchen Messenger haben meine Freunde, welchen kann ich selber vertreten.
Es lohnt sich aber dabei zu bleiben und die Alternativen zu den Marktführern (solange diese ihr Geschäftsmodell nicht ändern) zu nutzen, denn heutzutage kann ohne große Einschränkungen der Lebensqualität, durch eigenes Verhalten, einiges bewegt werden.

Nach den oben genannten Kriterien ergeben sich die folgenden beiden Messenger als „Testsieger“ und können zum momentanen Zeitpunkt empfohlen werden.

Messengeruebersicht

Übersicht der beiden Empfehlungen im Vergleich mit dem Marktführer

Warum sind Alternativen zu Whatsapp interessant?

Whatsapp baut technisch ebenfalls auf XMPP auf, leider dürfen nur Whatsappnutzer „mitmachen“ und andere XMPP-Nutzer nicht. Das Programm ist eines der fortschrittlichsten und in unseren Breitengraden sicherlich eines der am weiten verbreitetsten. Doch genau wegen der Verbreitung, muss darauf geschaut werden, welche Daten die dahinterstehenden Firmen (WhatsApp Inc.  und Facebook) erhalten. Der Messanger ist zentral, der Datenschutz ist nicht besonders gut, die Datensicherheit (zu wenig Wissen) wird schon in Ordnung sein und der Umgang mit dem Urheberrecht ist durch den Verkauf von euren Bildern lausig. Die Ende-zu-Ende Verschlüsselung kann nicht überprüft werden, da alles keine freie Software ist.
Wikipedia: Whatsapp

Zentral aber gut: Wire

Pro: Das Programm für das Handy und den Computer ist freie Software. Der Server wird in Stücken auch schon veröffentlicht. Dies lässt zu, dass Entwickler auf der ganzen Welt schauen können, wie der Messenger funktioniert und welche Daten er sammelt. Er ist einfach zu installieren und funktioniert gut, besonders als Ersatz für Skype im Bereich der Videotelefonie.
Contra: Noch ist er zentral aufgebaut. Auch wenn die Firma in Luxemburg ansässig ist und somit Europäisches Datenschutzrecht gilt, ist das Problem des Systems noch nicht behoben.

Wire verschlüsselt standardmäßig, lädt euer Telefonbuch nur optional hoch und kann Texte, Bilder, Videos, Sprachnachrichten, Emoticons usw. Senden. Zudem beinhaltet es eine sehr gut umgesetzte Funktion zur Videotelefonie.

Herunterladen könnt ihr Wire ganz einfach über euren Appstore oder direkt von Hersteller: wire.com
Wikipedia: wire

Die echte Alternative: Jabber/XMPP

Diese Messengerstruktur ist dezentrei aufgebaut und basiert auf freier Software und freien Standards. Somit kann hier Kants kategorischer Imperativ angewandt werden. Wenn alle XMPP nutzen, dann entsteht etwas Gutes. Denn im Gegensatz zu den meisten Alternativen wie Threema, Telegramm und co. ist Jabber dezentral aufgebaut, das heißt, es wird niemals eine Firma oder eine Person geben, die alle Daten erählt. Missbraucht eine Organisation Daten eines kleinen Kreises aus dem Netzwerk, so wird sie nicht mehr genutzt und das System besteht weiterhin.

Doch warum ist Jabber dann noch nicht absoluter Standard? Es gibt für die Smartphones und Computer nicht nur ein Programm, sondern die XMPP Struktur kann mit vielen Programmen betrieben werden. Diese Freiheit führt allerdings dazu, dass nicht alle Programme das gleiche können und auch nicht perfekt miteinander kommunizieren können, gerade, wenn es um Bilder, Video und Sprachnachrichten geht.
UND mit XMPP lässt sich nicht so gut Geld verdienen!

Jabber funktioniert unabhängig von eurer Handynummer und es wird auch euer Telefonbuch bei den meisten Clients nur optional hochgeladen.

Wer es parallel zu anderen testen möchte kann für Android Conversations und Apple Chatsecure herunterladen.
Beide funktionieren über das XMPP Netzwerk (Protokoll).
Wikipedia: XMPP/Jabber

(Es sei gesagt, dass XMPP nicht die Einzige echte Alternative ist. SIP, Matrix … )

Warum nicht …

Threema? Der Client ist closed Source und auf manchen Plattformen Kostenpflichtig. Ansicht funktioniert er recht gut und lädt nur optional euer Telefonbuch hoch.
Wikipedia:Threema

Telegram? Ursprünglich aus Russland und nun wohl in Dubai ansässig, ist dieser Messenger sehr leicht bedienbar und hat nette Animationen und Emoticons eingebaut. Nur sind Standardgespräche nicht verschlüsselt und die Serverstandorte scheinen größtenteils außerhalb der EU zu sein.
Wikipedia: Telegram

 

Zum Weiterlesen

Liste von Jabber/XMPP Clients (Wikipedia)
Liste von mobilen instant Messengern (Wikipedia)

Ps. Es gibt die message und den Messenger. (Schreibweise)