Kommentar – Artikel 13 und Youtube

Zuerst einmal ein schöner Artikel, welcher die Geschehnisse etwas erklärt:

Artikel auf Netzwelt

Es geht also um einen Brief von Susan Wojcicki, CEO von YouTube, welcher anführt, dass die Freiheit bedroht ist und Youtube eben schließen muss.

„Save the Internet“ aber vor wem? Denn es meldet sich eine Firma (Youtbe/Google/Alphabet) zu Wort, welche sich auf den Wert der Freiheit bezieht und eine Peition hoch hält, die innerhalb weniger Tage millionenfach unterschrieben wurde.

Dazu ein paar Gedanken:

Mal wieder sind wir an einem Punkt, an dem Freiheit angeblich durch den Staat bedroht wird. Das blöd zu finden ist auch nicht falsch. Doch passiert das überhaupt und was ist mit der Freiheit vor den globalisierten Firmen? Das Internet zentralisiert sich immer mehr zu den wenigen großen globalisierten Firmen (Facebook, Alphabet, Apple, Amazon, Microsoft usw.) und freie, dezentrale Strukturen wie Blogs, private Homepages und anderen Austauschplattformen verschwinden im Abseits.
Ja, jeder darf auf Youtube auch Videos veröffentlichen, die andere Meinungen haben, wie Youtube, nur spielt sich eben weiterhin alles auf Youtube ab. Es gibt keine dezentrale Struktur, welche das Gleiche leistet – eben in voller Freiheit, auch bei der Wahl der Plattform.

Ebenfalls erschreckend ist, wie viele Menschen Youtube mobilisieren (manipulieren?) kann. Denn es darf die Frage gestellt werden, wie viele Menschen sich wirklich über Artikel 13 und dessen Stand informiert haben, bevor sie die Petition unterschrieben haben.
Natürlich darf auch die Frage im Umgang mit Urheberrechten und Marktmächten gestellt werden – wir erinnern uns an den Streit mit der GEMA im November 2016.

In meinen Augen ist es eine Farce, dass ein so großer Monopolist sich auf Freiheit bezieht und Menschenmassen mobilisiert und gleichzeitig zeigt, wie viele Menschen ihm – teilweise blind – folgen und der Monopolist selbst das freie und unabhängige Internet zurückdrängt.

 

Ps. Nein Youtube wird nicht abgeschaltet. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet und Youtube leider so mächtig, dass es auch die notwendigen Änderungen herbeiführen oder eine andere Möglichkeit finden wird, Geld mit Videos zu verdienen. Für uns Privatpersonen ist weiterhin zu empfehlen alle Inhalte gut zu hinterfragen, nichts ohne Hintergrundwissen zu unterschreiben und den Blick über den Alphabet-Tellerand zu heben. Darüber hinaus empfiehlt es sich dezentrale und wirklich freie Systeme zu fördern (Wikipedia, Linux, Nextcloud, Freie Software – FOSS, Mozilla usw.)

Der Hintergrund des Beitragbildes ist nicht selbst gesteltet, steht aber unter der CC0.

3 Replies to “Kommentar – Artikel 13 und Youtube”

  1. Bloß weil Youtube Artikel 13 kritisiert, muss das nicht bedeuten, dass Kritiker an Artikel 13 Monopolisten wie Youtube gutheißen. Zudem wird Kritikern immer wieder vorgeworfen, Kreative auszubeuten und für Monopolisten zu sein. (Spoiler: Mich interessiert Youtube und Google nicht, mir geht es um das dezentrale Internet.)

    Dabei kann gerade diese Reform großen Schaden im dezentralen Internet anrichten, weil die Autoren des Gesetzes sich nicht bewusst sind, dass das Internet nicht nur aus den großen amerikanischen Monopolisten und sonstigen kommerziellen Angeboten besteht, sondern auch aus vielen gemeinnützigen, nicht-profitorientierten oder privaten Projekten. Gerade für diese wären Uploadfilter / Lizenzierungspflicht (statt dem gerade bei kleineren Projekten viel verhältnismäßigeren Notice-and-Takedown-Verfahren) und das Leistungsschutzrecht Gift – Filter an ihre Plattform anpassen oder irgendwelche pauschalen Lizenzabkommen für alle Eventualitäten mit Verwertern abzuschließen und dennoch voll für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer zu haften. Beides funktioniert in der Praxis bereits jetzt schlecht und wird durch eine gesetzliche Verpflichtung dazu nicht besser.

    Ich stimme dir zu, Panikmache wie die einiger Youtuber ist fehl am Platze. Jedoch sollte man sich über die Konsequenzen informieren, ggf. aktiv werden und dabei vor allem sachlich bleiben.

    In dem Brief finde ich keine Stelle, wo von einer Schließung Youtubes die Rede ist.
    Sich darauf zu berufen, dass die Richtlinie noch nicht verabschiedet wurde, ist eine schlechte Vorgehensweise, denn Rat, Parlament und Kommission sind sich weitestgehend einig. Im Netzweltartikel weist man zurecht auf den Charakter einer Richtlinie hin: Staaten müssen sie umsetzen, vergisst dabei aber, dass Staaten sie nicht beliebig anpassen und ändern können.

    Als gute aktuelle Informationsquellen empfehle ich das Video von Christian Solmecke, in dem er die Entwürfe erklärt und seine rechtlichen Bedenken schildert, sowie den Artikel von Netzpolitik.org, der die wichtigsten Kritikpunkte noch einmal auflistet.

    Ich sehe es schon kommen, dass sich die Politiker demnächst mal wieder wundern, warum das Internet vor allem aus amerikanischen Monopolisten besteht und innerhalb der EU nichts entsteht…

    1. Super, danke dir.

      Ich bezog mich da stark auf ein Video, welches mir meine Stieftochter gezeigt hat. Darin wurde über den Brief gesprochen und eben gesagt, „dass fast alle Kanäle dann gelöscht werden“.
      Faszinierend war, dass zwei Tage später, bei gleichen Suchworten andere Videos kamen, nämlich (sinngemäß) „Schauen wir doch mal in den Gesetzesentwurf, was da wirklich steht“.

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