Hack

Konsequenzen aus dem Politiker-Hack

Derzeit in aller Munde ist die Veröffentlichung von privaten Daten von Politikern und anderer Berühmtheiten. Kurz gesagt wurden von diesen Personen private Daten, wie Faxnummern, Chatprotokolle usw. schon länger gesammelt und unter anderem in einem Adventskalender (jeden Tag im Dezember war eine andere Person dran) mithilfe eines gehackten Twitteraccounts veröffentlicht. Sogar ein Wort wurde hierfür ins Rampenlicht gerückt: Doxing.

Wer nun seinen Twitter- und Facebookaccount kündigt, steht ein wenig im Regen. Denn was gibt es denn für Alternativen? Darum soll es hier gehen.

Das Problem

Eines unserer Hauptprobleme in der Medienlandschaft ist, dass Dienste zentralisiert angelegt werden und – bei Erfolg – zum Monopolismus führen. So zumindest agieren die meisten Mainstream-Dienste wie Twitter, Facebook, Whatsapp, Instagram, Snapchat usw. Keines davon legt eine Struktur an, an der andere teilhaben können, ohne direkt einen Account bei genau diesem Anbieter zu haben.

Unterstellt man, dass diese Dienste Bedürfnisse befriedigen, so stellt sich ja die Frage, was eine mündige Alternative zu den genannten wäre. Doch diese Frage löst durchaus etwas Unmut aus, denn die Ursache und die Wirkung spielen hier Hand in Hand.

Betrachten wir das Beispiel mit den Politikern: Wenn Politiker aktiv mit zentralisierten Medienanbietern arbeiten, dann unterstützen sie, dass mehr und mehr Menschen mitmachen (Privatleute, Pressemenschen, andere Politiker usw.). Die Alternativen haben dann immer weniger Mitglieder, was meistens die Weiterentwicklung hemmt oder das Projekt untergehen lässt. An diesem Punkt stehen wir gerade, dass die alternativen, freien Projekte immer weniger Mitglieder haben und finanziell ganz anders aufgestellt sind als die großen.

Das Ziel

Das Ziel sollte also sein, weniger eine einzelne Plattform zu betreten, sondern vielmehr Systeme zu schaffen, an denen alle teilhaben können. Als aktives Beispiel lässt sich hier E-Mail nennen. Jeder kann teilhaben, egal ob er bei Goolge oder bei seiner eigenen Firma einen Account hat oder selbst einen Mailserver betreibt. Wäre es nicht schön, wenn auch für die sozialen Medien diese Freiheit möglich wäre?

Der Weg

Was braucht es dazu? Es braucht freie Software (Clients und Server) es braucht freie standardisierte Protokolle und eine kritische Masse, die sie nutzt. Denn je mehr Menschen an einem Projekt teilhaben, desto mehr Gelder und Mit-Entwickler finden sich.

Welche Alternativen gibt es? (Auszug)

  • Facebook: Diaspora und Friendica
  • Whatsapp: XMPP/Jabber und Matrix
  • Instagram: ? (Gerne ein Tipp in den Kommentaren)
  • Snapchat: ? (Gerne ein Tipp in den Kommentaren)
  • Playstore: F-Droid
  • Android: SailfishOS, Ubuntu Touch

Schaut man sich allerdings z.B. „Diaspora“ im derzeitigen Zustand an, so handelt es sich mehr um eine technische Alternative, da sie wenig nutzbare Funktionen hat. Also müsste viel investiert werden um eine echte und aktuelle Alternative zu bekommen.

Die mögliche Zukunft

Träumen wir mal: Mehr Politiker als nur Rober Habeck (Grüne) kündigen ihre Accounts bei den großen Monopolisten und sorgen dafür, dass wenige Millionen Euro in freie und dezentrale Lösungen investiert werden (echte Lösungen, die durchdacht sind) und werden selbst Mitglied dort. Die Öffentlichkeitsarbeit der Politik verschiebt sich nun auf diese Plattformen und immer mehr Menschen werden Mitglied. Genannte Plattformen wachsen und bekommen mehr Aufmerksamkeit, Geld und engagierte Entwickler.
Die Politiker und die Nutzer durchdringen die Wichtigkeit dezentraler und freier Systeme und haben eine Antwort auf die Frage „Was soll ich denn nutzen, das auch funktioniert?“.

Was jetzt auf jeden Fall das Richtige ist, ist aufklären. Im Bildungssystem für die nächste Generation. In Petitionen für die Politiker und im Alltag mit den Mitmenschen. Gehen wirs an…

P.S. Wenn in ein paar Jahren die Menschen sagen können „Es gibt ja keine Alternative“ oder „Wir haben nichts vom Problem der Monopolisten gewusst“, dann lief wohl was schief. Oder braucht es immer einen „Politiker Hack“, damit einen Schritt weiter gedacht wird?

Quellen und Links:
Golem Projektseite
12 Lehren aus dem Hack (Golem)

Bildquelle:
Pixabay Lizenz (Kein Bildnachweis notwendig)

6 Gedanken zu „Konsequenzen aus dem Politiker-Hack

  1. Franz

    Grundsätzlich stimme ich mit dir überein. Dezentrale Dienste sind zu bevorzugen. Was hier leider oftmals fehlt sind a) die Nutzer und b) die Einfachheit in der Benutzung. Bezüglich der Einfachheit gilt das oft ebenso auf der Clientseite, wie auch auf der Server Seite.

    Nur was hat das Thema mit dem sogenannten Politiker Hack zu tun? Was hat das damit zu tun, dass sich Robert Habeck nicht im Griff hat und rum pöbelt?

    Antworten
    1. Timotheus Beitragsautor

      Habeck kommt groß in die Medien, dass er jetzt aussteigt. Er sagt eben, was er nicht nutzt aber nicht was er nutzt.

      Zumindest löst die aktuelle Debatte um den Politikerhack diese gedanken und diesen Artikel bei mir aus und ich hatte das bedürfnis diesen Aspekt der Gesamtdiskussion zu beleuchten.

      Aber du hast Recht. Die Überschrift „Politiker Hack“ war nicht ganz treffend, ist schon geändert.

      Antworten

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